Aug 1, 2011

Lohn, Einkommen und Gehälter in der Handwerkerbranche

Expertenbefürchtungen zufolge könnte der goldene Boden des Handwerkssektors in naher Zukunft an Wertschätzung und demzufolge an Wert verlieren. Die Eröffnung des allgemeinen Arbeitsmarktes für osteuropäische EU-Beitrittsländer wird umstritten beurteilt und auch die deutschen Auftraggeber fordern durch ihre Sparmentalität große Aufträge für möglichst wenig Geld. Die Resultate sind die Entwertung der handwerklichen Tätigkeit und ein Wettberwerbsverhalten, das auf Unterbieten ausgelegt ist. In der Handwerksverordnung wurde der Mindestlohn als vorgeschriebene Arbeitsbedingung festgesetzt. Jedoch machen die Gefahren von außen, wie Marktüberflutung und Lohndumping gerade die Handwerkerbranche zu einem Hort der Schwarzarbeit.

Eine Handwerkerstunde setzt sich aus verschiedenen Kosten- und Lohnkomponenten zusammen. Weniger als ein Drittel der Gesamtkosten für eine Handwerkerstunde entspricht dem Stundenlohn des Handwerkers. Die tarifliche Regelung für Lohn bzw. Gehalt variiert von Ost nach West. Je nach Wochenstunden beträgt der durchschnittliche Brutto-Monatslohn eines Handwerkers in Thüringen 1.802 Euro, in Baden-Württemberg 2.269 Euro. Im gesamten Handwerkssektor haben die Beschäftigten im Elektrohandwerk die besten Verdienstmöglichkeiten mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 39.000 Euro. Es folgen die Meister und Projektleiter mit einem Jahresgehalt von 32.400 Euro. Angestellte im technischen Handwerk liegen mit 30.000 Euro im Mittelfeld. Maurer, Fliesenleger, Gärtner, Klempner und Maler können ein durchschnittliches Jahresgehalt von 19.200 Euro erwirtschaften.

Die Ansprüche der Auftraggeber an hohe Qualität und kleine Preise macht Schwarzarbeit sowohl für den Kunden als auch für den Handwerker attraktiv. Die Gefahren der Schwarzarbeit sind dabei nicht nur persönlicher, sondern auch wirtschaftlicher Natur und hinterlassen langfristige Folgen. Allerdings ist sie auch eine direkte Antwort auf kapitalistische Ausbeutung und wird daher immer in Wechselwirkung zu den Methoden der Ausbeutung stehen. Die Handwerkerbranche kann keinen Mangel an Nachwuchs beklagen, jedoch einen Mangel an Fachkräften. Optimisten sehen in der Öffnung des Arbeitsmarktes eine Chance, diesen Fachkräftemangel zu beheben. So steht einer erwarteten Bedrohung auch eine Bereicherung gegenüber.

2 Comments

  • Eines der heiklen Themen, über die in der Öffentlichkeit viel zu selten diskutiert wird. super Beitrag, weiter so ;-)

  • Ich denke an dem durchschnittlichen Gehalt (19.200 Euro) sieht man Recht deutlich woran das System eigentlich krankt, wenn man noch den berechneten Stundensatz mit einbezieht, der für einen Auftrag verlangt wird.

    Ein “normaler” Arbeitnehmer – nach Abzug der Steuern, muss zwischen 4-6 Stunden arbeiten, um für 1 Stunde einen Handwerker zu beschäftigen. Das ist – für mich – der eigentliche Grund für den hohen Wert an Schwarzarbeit im Handwerksbereich.

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